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Wirtschaftswachstum, Nachhaltigkeit und Gemeinwohl – eigentlich ist doch alles gut … | 17.01.2020

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Eine kurze Betrachtung von Definitionen. Wirtschaftswachstum,  Nachhaltigkeit, unter anderem auch Gemeinwohl, stehen auf Themenlisten ganz oben, ob in den Medien oder in Diskussionen. Was sollen/ wollen/ können wir aber darunter verstehen?

Definition von Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, aktuell zu verstehen als die Auseinandersetzung mit der Balance von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten –  will ein gutes Leben für alle, in räumlichen wie zeitlichen Dimensionen. Nach wie vor ist Ökologie ein Schwerpunkt – oder sollte es zumindest aufgrund der Begrenztheit der ökologischen Ressourcen (wieder) sein.

Definition von Wirtschaft

Wirtschaft will … auch ein gutes Leben für alle. In der hessischen Verfassung z.B. steht in Artikel 38: Die Wirtschaft des Landes hat die Aufgabe, dem Wohle des ganzen Volkes und der Befriedigung seines Bedarfs zu dienen. Zu diesem Zweck hat das Gesetz die Maßnahmen anzuordnen, die erforderlich sind, um die Erzeugung, Herstellung und Verteilung sinnvoll zu lenken und jedermann einen gerechten Anteil an dem wirtschaftlichen Ergebnis aller Arbeit zu sichern und ihn vor Ausbeutung zu schützen.

Definition von Gemeinwohl

Gemeinwohl will ebenfalls ein gutes Leben für alle – der Begriff steht für:  Das Wohl, welches möglichst vielen Mitgliedern eines Gemeinwesens zugutekommen soll. Der Begriff erscheint uns vielleicht als ein bißchen angestaubt, was aber Schottland, Island und  Neuseeland als Antwort auf die weltweiten Krisen nicht davon abgehalten hat, die Wellbeing Economy Governments (Regierungen der Wohlfahrtswirtschaft) zu gründen.

Definition von Wirtschaftswachstum

Selbst Wirtschaftswachstum will  ein gutes Leben für alle – Wohlstand,  Beschäftigung,  Staatseinnahmen, um u.a. den Sozialstaat zu finanzieren, internationalen Einfluss. Grundsätzlich hat uns allerdings das Wirtschaftswachstum, in der Form, wie Wachstum seit ca. der Industrialisierung erfolgt,  zu dem Desaster geführt, in dem wir uns momentan befinden. Darauf will ich im Moment aber nicht hinaus.

Es ist eben nicht alles gut

Trotz bester oben genannter Absichten läuft es nicht. Die weltweite Ungleichheit und Armut steigt, aber nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland, psychische Krankheiten und Burnout gehören 2019 in Deutschland zu den 5 häufigsten Krankheiten, die Lebenszufriedenheit in Deutschland stagniert, die Umweltzerstörung und die Vermüllung weltweit nimmt dramatisch zu, die Klima- und Umweltkrise gefährdet immer mehr unser Leben und das aller Lebewesen hier auf diesem Planeten. Das der zukünftigen Generationen sowieso.

Wo also ist der Haken? Darüber haben sich schon viele kluge oder vielleicht auch weniger kluge Menschen in Ost und West Gedanken gemacht. Ich schließe mich diesem Kreis mit dieser Betrachtung von Definitionen an.

Definition von sozialer Marktwirtschaft

Wie wird nun soziale Marktwirtschaft definiert – die Wirtschaftsordnung in Deutschland. Laut Wikipedia so: Soziale Marktwirtschaft ist ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Leitbild mit dem Ziel, auf der Basis der Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative mit einem gerade durch die wirtschaftliche Leistung gesicherten sozialen Fortschritt zu verbinden.  Spätestens an dieser  Stelle werde ich hellhörig und zwar bei dem Wort Wettbewerb. Wettbewerb ist, neben Streben nach Gewinnmaximierung, Kapitalverzinsung, Wachstum ein Teil der Systemgesetze unseres, von anderen Systemen losgelösten, Wirtschaftssystems. Nach N. Luhmann dient ein System dazu, Komplexität zu reduzieren und zu ermöglichen, sich auf eine bestimmte Thematik zu konzentrieren.

Wettbewerb

Grundsätzlich ist Wettbewerb nichts Verkehrtes. Gerade hat das Umweltbundesamt den Wettbewerb Blauer Kompass ausgeschrieben für Projekte, bei denen es um Klimaanpassung geht. Der Wettbewerb soll anspornen und Paradebeispiele publik machen. Es wird Gewinner geben in diesem Wettbewerb und auch Verlierer. Die Gewinner werden belohnt und die Verlierer – nun, im Endeffekt ergibt sich daraus weiter nichts, außer der Enttäuschung darüber. Man kann es im nächsten Wettbewerb einfach noch einmal versuchen.  

Wettbewerbsverlierer

Sieht man sich unseren Wirtschaftswettbewerb an,  man nennt ihn auch Verdrängungswettbewerb, dann stellt man fest, hier gibt es ebenfalls die beiden o.a. Parteien. Zum einen die Gewinner – die werden belohnt. I.d.R. mit Profit und mit eitel Sonnenschein. Zum anderen die Verlierer: Den Verlierern  in diesem Wettbewerb, darum, wer am billigsten produzieren kann, den größten Marktanteil hat o.ä., droht aber zusätzlich eine Strafe. Die Strafe, auf Unternehmen bezogen, ist im schlimmsten Fall der Konkurs. Davor stehen evtl. Arbeitszeitverkürzungen, Stellenabbau. Sie gehen konkurs, weil sie nicht mehr mithalten können. Vor allen Dingen die Kleinen gegenüber den Großen. Die Ketten haben dem Einzelhandel in den Städten und auf den Dörfern den Garaus gemacht. Viele Einzelhändler haben – zu meinem großen, eigenen Bedauern – aufgegeben. Nun macht der Onlinehandel die Ketten kaputt.

Menschen blieben bei dieser Form des Wettbewerbs, die den Verlierer zusätzlich zum Verlieren auch noch bestraft, genauso auf der Strecke wie Unternehmen. Es erinnert mich an die Gladiatorenkämpfe – damals im alten Rom.  Auch die Umwelt bleibt auf der Strecke. Und die kann noch nicht einmal (in unserem Sinne) verbal protestieren. Unsere Umwelt, die Natur hat eine andere Sprache, die wir aber derzeit langsam anfangen, zu verstehen.

Unsere zivilisierte Welt

Mein Fazit aus dieser kleinen Definitionenbetrachtung: Der Mensch kommt in unserem –  vereinfacht dargestellt –  zur Komplexitätsreduzierung in sich geschlossenem Wirtschaftsystem – außer in Form des Konsumenten, nicht wirklich vor. Die Form von Wettbewerb, in der Verlierer a la Gladiatorenkämpfe nicht nur den Wettbewerb verlieren, sondern deutlich mehr, bis hin zu ihrer Existenz, zeigt sehr deutlich die mangelnde Wertschätzung von Mensch und Natur und bedeutet einen Rückschritt in Zeiten, die wir in dieser angeblich so zivilisierten Welt doch eigentlich schon lange hinter uns gelassen haben wollen. Gladiatorenkämpfe bringen uns einfach nicht vorwärts.

Monika Stoehr Nachhaltigkeitsmanagement Darmstadt | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Main | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Neckar

Januar 2020


Mehr zum Veranstalter / zur Veranstaltung/ zur Quelle:

https://vaidoo.de/volkskrankheiten-die-haeufigsten-krankheiten-in-deutschland/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153748/umfrage/allgemeine-zufriedenheit-mit-dem-eigenen-leben/  

http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2019/september/190912_pm_049_UNO-Bericht-fordert-Ambitionssteigerung-bei-der-Umsetzung-der-2030-Agenda/index.html


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