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„Tage der Transformation“, Schader-Stiftung, Darmstadt | 18.01.2019

Photo by Samuel Zeller on Unsplash

Vom 15.01. bis 18.01. 2019 beleuchteten „Die Darmstädter Tage der Transformation“ der Schader-Stiftung die Rolle von Wissenschaft und Wissenskommunikation sowie die Bedeutung von Städten und Quartieren bezüglich der Entwicklung von Nachhaltigkeit.

Diskrepanz zwischen Handlungsbedarf und Handlungen

Über die Diskrepanz zwischen Handlungsbedarfen und Handlungen hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung sprach Alexander Gemeinhardt, Schader-Stiftung, am 17.01.2019 anlässlich der in die ersten „Darmstädter Tage der Transformation“ eingebetteten Fachtagung. Die „Zeit des Nichtaufbruchs“ kennzeichne die momentane Situation.


Kommunikation von Wissen als Anstoß für Transformation

Inhalt der Fachtagung war, Kommunikation von Wissen als ein wichtiges Instrument zu zeigen, um Transformationsprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung anzustoßen und zu gestalten. Dabei sei oft unklar, was und insbesondere wie Wissenschaft kommunizieren muss, damit ihre Ergebnisse von Politik und Gesellschaft gehört und in konkrete Veränderungsprozesse umgesetzt werden können.

Kommunikationsbarrieren

Der Frage, wie geht’s oder auch warum geht`s nicht, ging auf der Fachtagung Nicola Schuldt-Baumgart, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung nach. Einige der aufschlußreichen Antworten zeigen die hohen Barrieren auf, die zu überwinden sind: Unterschiedliche Vorstellungen, wie Transformation umzusetzen ist, das fehlende Eingebunden sein in die Politik, den Perspektivenwechsel, den  Transformation voraussetzt, das vorherrschende Denken, Umwelt betrifft nur die Umwelt, nicht den Menschen, das mangelnde Wissen und die mangelnde Erfahrung – eine evtl. vergleichbare Situation hätte es vielleicht zur Zeit der Industriellen Revolution gegeben -, oder das wir  zu viele technische Problemlösungen diskutieren, was heißt, wir wollen unsere Probleme mit den Mitteln lösen, die die Probleme erzeugt haben.

Dreiklang Wissen, Kommunikation, Lernen

Fazit des Vortrags: Eine Lösung kann nur durch einen gemeinsamen transdisziplinären Prozess von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in Form des Dreiklangs Wissen, Kommunikation und Lernen erfolgen.

Alexandra Lux, ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, fasste die am 15. Und 16.01.19 stattgefundenen Veranstaltungen kurz zusammen und resümierte, dass „Kritik bzw. eine kritische Wissenschaft, Selbstkritik und Selbstreflexion, die Basis sei für Transformation“.

Hindernisse für das Individuum: Hohe psychologische Distanz

Max Vetter, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik, beleuchtete individuelles Verhalten und die Transformation durch viele Akteure. Der aktive Part der Akteure/ des Individuums bestehe in einem nachhaltigen Verhalten, der passive Part in der Akzeptanz der reduzierten Möglichkeiten.

Die Hindernisse, denen sich der einzelne Akteur gegenübersähe, seien zum einen eine generelle Unsicherheit hinsichtlich einer unübersichtlichen Auswahl, die Intransparenz von Kosten und Nutzen von Veränderungen, und der daraus entstehende Zweifel, aber auch, dass es sich z.B. beim Klimawandel um ein „entferntes“ Problem handelt.

Denn: Klimawandel fände statt

  • in der Zukunft (zeitliche Distanz)
  • hauptsächlich ganz woanders, weniger bei uns (räumliche Distanz)
  • nicht bei uns bekannten Menschen/ Gruppen (soziale Distanz)
  • gar nicht (hypothetische Distanz)

Die Lösung aus Sicht der Psychologie: Eine geringe psychologische Distanz herstellen.

Komplexitätslöser Nudging

Als einen Komplexitäts-Löser führte er „Nudging“ (Schubs, leichter Stoß) an. Nudging kann über Vereinfachung, Verbildlichung, Greifbarkeit u.a., z.B. in Form von Setzen von Standards, Infos am Point of Action, leicht verständliche Informationen, wie die Energieverbrauchs-Ampel für Geräte, Veränderung bewirken, Handlung bewirken.

Handlungsfördernde Kommunikation unterstütze die Bildung von Intention und verringere die psychologische Distanz.

Imke Hoppe, Universität Hamburg, Institute for Journalism and Communication Science, führte aus, dass von 1995 bis 2015 das Vorkommen des Begriffs „nachhaltig“ in 6 untersuchten deutschen Tageszeitungen sich um das Doppelte erhöht hätte. Im Jahr 2015 kam der Begriff in 1,5% aller Artikel vor. Oft allerdings würde der Begriff nachhaltig, obwohl es um nachhaltige Themen ginge, nicht erwähnt, z.B. würde nur der Begriff Klimawandel verwendet.

Empowermentorientierte Kommunikation als Erfolgsfaktor

Problemorientierte, handlungsorientierte und empowermentorientierte Kommunikationsformen führten zu unterschiedlichen Ergebnissen. Problemorientierte Kommunikation führe i.d.R. zu höherer Unterstützung, münde aber nicht automatisch in Handlungen. Handlungsorientierte Kommunikation zeige z.B. beim Klimawandel nur geringe Effekte. Empowermentorientierte Kommunikation, d.h. interaktive Beteiligungsprozesse zeigten dagegen bessere Effekte.

Gestartet war die Veranstaltung am 15.01.2019 mit dem Fachdialog „Urbane Zukunftskunst – Perspektiven für Darmstadt“, gefolgt am 16.01.2019 von der Preisverleihung „Transformative Wissenschaft“. „Transformative Wissenschaft“ zielt auf alle Formen von Forschung, die gesellschaftliche Impulse auslöst und fördert und dabei die Zivilgesellschaft einbezieht. Der Preisverleihung folgte die öffentliche Podiumsdiskussion „Wandel gestalten, Wandel begleiten: Wissenschaft und Kommunikation“.

Die großen globalen Herausforderungen erfordern, wie in der Ausschreibung des Veranstalters beschrieben, gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich solide sind. Für die Bereitstellung des hierfür notwendigen Wissens seien Forschung und Wissenschaft von zentraler Bedeutung, als Orte der Erprobung und der Umsetzung kulturellen und gesellschaftlichen Wandels seien es die Städte und Stadtquartiere.

Monika Stoehr,  Nachhaltigkeitsmanagement Darmstadt | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Main | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Neckar


Mehr zum Veranstalter und zur Veranstaltung

https://www.schader-stiftung.de/veranstaltungen/


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