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Management der Moral – Compliance und Integrität. Evangelische Akademie, Tutzing, 6.-7.05.2019

Photo by Allison Shaw on Unsplash

Läßt sich Moral managen?

Allein die Frage „Läßt sich Moral managen“, angeregt von Peter Lysy von der Evangelischen Akademie Tutzing, gab schon von Anfang an Stoff für kontroverse Diskussionen. Die Frage, ob Moral als Marketinginstrument verwendet würde, warf Dr. Nick Kratzer vom ISF München e.V. auf.  Ist Compliance out? Wie kommt die Ethik in die Wirtschaft? Die Wiedervorlagemappe als  stärkste Waffe …waren weitere spannende Themen.

Dass heute vermehrt Werte bzw. Wertepakete Handelsobjekte sind, darauf wies Prof. Dr. Dr. Alexander Brink von der Universität Bayreuth hin. Erfolgreiche Unternehmen, vor allem in der digitalen Welt, setzten auf einzelne funktionale Werte, beispielsweise: Soziale Vernetzung – große Internetportale, Symplifiy / Vereinfachung –  Computermarken/ Computerprogramme u.a.

Im Gegensatz zur o.a. Red Ocean-World der funktionalen Werte setze die Blue-Ocean-World auf Wertschätzung, Zusammengehörigkeitsgefühl.

Compliance ist out – Integrity in

Das neue Bild der Ökonomie fokussiert – als Gegenmodell zu Compliance – auf Integrity und meint die Übereinstimmung von Haltung und Handlung,  gefolgt vom Impact. Mal fehle allerdings das eine, mal das andere. Als nützliches Tool erwiese sich die Integritätsmatrix zu Werteposition und Wirkungsposition.

Prof. Dr. Stefan Kühl von der Universität Bielefeld sprach über das Integrity Management als werteorientiertes Management. Es löse das Compliance Management ab. Eine große Herausforderung dabei sei die „ungewollte Aufforderung zur Heuchelei“ und Zynismus als Folge bei den Mitarbeitenden. Der Umgang mit Wertekonflikten spiele eine große Rolle, ebenfalls die Priorisierung: Welcher Wert ist wichtiger?

„Die Wiedervorlage-Mappe – sprich die Beharrlichkeit – ist ihre stärkste Waffe“, so Carola Dunkel, Betriebsrätin und Sprecherin des Personalausschusses von Siemens. Sie stellte in ihrem Vortag „Werte im Zeitalter der Digitalisierung – Erwartungen der Arbeitnehmervertreter und Beschäftigten“ Maßnahmen der Siemens AG München vor. Siemens gründet heute noch auf den Werten von Werner von Siemens „Für einen augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht“.

Das Compliance Dilemma

Georg Gößwein, Compliance Beratung und Verwaltungsrat DICO Dt. Institut für Compliance e.V., referierte zum Thema  des Compliance-Dilemmas – der Konflikt zwischen Sollen und Wollen – und führte den PLLOB-Test vor. P„ steht für Presse und die Frage: Kann das öffentlich werden?! Das erste „L„ steht für Leadership und die Frage: Ist das vorbildlich und entspricht unseren Werten?! Das zweite „L“ steht für Legal und die Frage: Passt das zu unseren Regeln?! Das „O“ steht für Oma und die Frage: Was sagt mein soziales Umfeld?! Das „B“ steht für Bauch und für die Frage: Wie ist mein Bauchgefühl ? Verstöße gegen Compliance sollten mit ehrlichen Antworten zu diesen Fragen erfolgreich vermieden werden können.

Wie kommt die Ethik in die Wirtschaft?

Zwei non-profit Einrichtungen stellten vor, wie sie die Ethik dabei unterstützen, in die Praxis zu kommen. Hej support, vertreten durch Alexandra Caterbow, untersucht Auswirkungen von gesundheitsschädlichen Stoffen in Textilien und vertritt Menschen bei der Durchsetzung von Entschädigungen bzw. forciert die Reduzierung solcher Materialien bei Unternehmen. Deutschland hat beispielsweise schlechtere Blei-Werte für Spielzeug als Nepal. Dr. Roland Pelikan und Constanze Sigl vom Verein Seitenwechsel / Institut für Persönlichkeit und Ethik ermöglichen Führungskräften eine Veränderung der Perspektive durch den Blick in das Leben eines Obdachlosen, eines Straftäters, eines Drogenabhängigen, Sterbenden… Begleitet wird das Programm von sozialen Einrichtungen, die sich für diese Menschen einsetzen.

Dr. Nico Herold, Kriminologe von der Juristischen Fakultät der LMU München, bot einen spannenden Einblick in die unterschiedlichen Typen der Whistleblower und behandelte die Frage, ob es sich dabei um Verräter oder Helden handelt. Externes Whistleblowing, in denen sich Mitarbeiter/ Partner an externe Stellen wenden, sei i.d.R. hausgemacht. Es gehe dabei oft um Fälle, in denen beispielsweise ein internes Beschwerdemanagement nicht greife bzw. nicht vorhanden sei.

In die praktische und ergebnisreiche Arbeit ging es im Work-Cafe „Werte im Unternehmen finden, verankern und einhalten“. In Kleingruppen wurden Maßnahmen entwickelt.

Das Finale bildete eine Podiumsdikussion mit Prof. Randolf Rodenstock (Unternehmer und Vertreter des Roman-Herzog-Instituts), Elke Wurster (Rechtsanwaltskanzlei, Sprecherin des Arbeitskreises Ev. Unternehmer) und Luise Klemens (Gewerkschaft verdi), in der abschließend der Frage nachgegangen wurde: Wie kommt denn nun die Ethik in die Wirtschaft?

Das Controlling der Moral

Die Anfragsfrage, ob sich Moral managen läßt, schied bis zum Schluß die Geister. Ich persönlich denke, angefangen bei den 10 Geboten haben wir schon seit langem eine Art Management der Moral. Die Planung und Umsetzung im Leben – dazu haben wir die Freiheit der Entscheidung in den eigenen Händen. Das Controlling liegt bei Gott – und sicherlich im Vorfeld bei einigen irdischen Instanzen.

Durch die interessante und abwechslungsreiche Veranstaltung führten Philipp Büttner und Peter Lysy vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern und Dr. Nick Kratzer vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München.

Monika Stoehr,  Nachhaltigkeitsmanagement Darmstadt | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Main | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Neckar


Informationen zum Veranstalter und zur Veranstaltung:

https://www.ev-akademie-tutzing.de/


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