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Du.Bist.Transformation  – in Städten und auf dem Land, in Betrieben und Büros und im Lebensstil: No business as usual | 16.12.2019

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Wenn Du ein Schiff bauen willst, … dann lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupery).

Die Sehnsucht nach einer weiten und heilen Welt, die Bereitschaft, neue Wege zu denken, der Mut, es zu wagen, aufzubrechen zu neuen Ufern, Bilder im Kopf von dem, was erreicht werden soll und muß – das versammelte an die 100 Teilnehmer*innen zur Tagung Du.Bist.Transformation am 28. und 29.11.19 in Tutzing.

Dr. Martin Held eröffnete die Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing. Jede Einzelne, jeder Einzelne könne etwas in der Transformation tun: in den Städten, auf dem Land, in der Arbeit, als politische Aktivistin und in den Medien, im Lebensstil. Darum ginge es in dieser Tagung. Aktiv werden. Ab jetzt. Nicht erst ab morgen. Im Anschluß erfolgte über  jeweils unterschiedlich besetzte Podien die nähere Betrachtung, wie man Transformation voranbringen kann.

Die Transformation voranbringen – vor Ort

Podium: Silke Sesterhenn (Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung) und Dr. Norbert Stamm (Stadt Augsburg)

Die Frage sei „Wie kommen wir vor Ort von Nicht-Nachhaltigkeit zur Nachhaltigkeit?“

FridaysForFuture (FFF) habe  ein Ziel, welches andere mitreiße, welches einen Sog habe, den Nachhaltigkeit nicht hat. Allerdings: FFF – machen 15% ihrer Generation aus. Sie schienen nicht in die Breite zu kommen. Schon in die Medien, aber nicht in die Breite. Nachhaltigkeit muß in die Schule, in den Lehrplan, nicht in extra Jugendkonferenzen, um wirksamer zu werden.

Wirksamer werden könnten wir durch intrinsische Motivation zur Veränderung und zwar über die Schaffung von eigenen, persönlichen Vorteilen.

In Kommunen gäbe es keinen ganzheitlichen Ansatz, ein Problem sei die Zersplitterung. Wir hätten hervorragende Vorreiter – aber nur vereinzelt. Die Dynamik erhöhe sich nicht, es entstehe kein Mainstream. 

Beispielhafte Vorreiter seien die Stadtwerke Augsburg mit der Mobilflat: Einmal zahlen – alles fahren. Für einen festen Betrag im Monat geht’s mit Bus, Tram, Auto (Carsharing) und Radl durch die Stadt.

Die Transformation voranbringen – im Betrieb und Büro

Podium: Klaus Friedrich (Bosch Rexroth AG) und Norbert Lenhard (Schaeffler Technologies)

Der Grad der Unsicherheit sei heute höher als z.B. nach dem Krieg. Unsicherheitsfaktoren entständen u.a. durch Digitalisierung, Globalisierung, Migration, Klimawende…

Das IAB – Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass Digitalisierung keine Arbeitsplätze koste, aber 3,5 Mio. Tätigkeiten sich grundlegend änderten. Wünschenswert sei mehr Dialogbereitschaft von der Zivilgesellschaft – zum Thema Windkraft beispielsweise.

Der Treiber der Digitalisierung sei der Fakt, das Rechenleistung in dem Sinne nichts kostet. Es stellt sich die Frage: Gehören meine Daten mir oder Internet- Monokapitalisten? Ein Vorschlag wäre, diese Daten gesellschaftlich zu nutzen, z.B. die Verbesserung des ÖPNVs durch ein Instrument wie google maps (wo wollen die Leute wann hin…)

Die Transformation voranbringen – politisch und medial

Podium: Silvia Liebrich (Süddeutsche Zeitung), Dr. Martin Oetting und  Leonie Sontheimer (Netzwerk Degrouth Journalisten)

Journalismus, so werde behauptet, sei die 4. Säule der Demokratie… Allerdings: Journalismus soll/ kann Politik nicht triggern, Ausnahmen seien z.B. solche Aktionen wie der Video-Clip von Rezo „Die Zerstörung der CDU.“ Und: Nicht in allen Blättern kann man alles schreiben. In politischer Hinsicht käme im Moment über die „Wellbeeing Economy Governments“ Bewegung auf.  Schottland, Island und Neuseeland haben die Gruppe der „Regierungen der Wohlfahrtswirtschaft“/ Wellbeeing Economy Governments“ (WeGo) gegründet, die Umwelt und Lebensqualität über das Brutto-Inlands-Produkt stellen.

Die Transformation voranbringen – in den Lebensstilen

Podium: Waltraud Galaske (Bund Naturschutz Bayern) und Ovid Jacota (Forum anders reisen)

Die zunehmende Vermüllung sei ein Top-Thema. Die Müllverbrennungsanlagen seien voll.

Verpackungsmüll sei u.a. darauf zurückzuführen, dass es in den modernen Supermärkten wenig Personal gäbe, so dass alles verpackt werden müsse.

Ein Vorschlag wäre, die Steuern auf Arbeit senken, dafür die Steuern auf Materialien zu erhöhen (wie bereits in der ökologischen Steuerreform angedacht). Eine nachhaltige Reise sei übrigens 30-40% teurer als eine nicht nachhaltige Reise.

Eine Anmerkung aus dem Publikum: Sich nicht auf den Konsumenten reduzieren lassen, sondern als Prosument agieren. Außerdem sollte der Begriff Umwelt in Mitwelt geändert werden.

Die Transformation voranbringen – Soziales und Ökologisches gehören zusammen

Panel mit Dr. Doris Aschenbrenner (TU Delft),  Dr. Andrea Fehrmann (IG Metall), Richard Mergner (Bund Naturschutz in Bayern)

Wir befänden uns mit der Digitalisierung in Zeiten der 4. industriellen Revolution. Digitalisierung sei allerdings aufgrund ihres enormen Energieverbrauchs ein ökologischer Brandbeschleuniger. In unserer Lehre – Schule, Studium – würden Scheuklappen antrainiert. Das mache sich u.a. in der Automobilindustrie in Deutschland bemerkbar. Die Grenzen des Wachstums seien beispielsweise kein Thema. Es würde ignoriert.

BUND Naturschutz setze mit auf Bürgerbeteiligung, um Erfolge zu erzielen und zwar  ohne zu abrupte Veränderungen zu fordern. Aus der Konferenz „Bits und Bäume“ in 2018,  ist inzwischen eine Bewegung entstanden, bei der sich Bund Naturschutz engagiert. Ein Beispiel wäre auch die Unternehmensinitiative Change M.

Das Dreieck der Produktionsfaktoren Kapital + Arbeit  (Humankapital) + Umwelt (Naturkapital) bedinge Konflikte. Bei einer Vergesellschaftung der Gewinne von Windkraft würde sich z.B. die Akzeptanz von Windkraft erhöhen. Hier sei ein Dialog dringend notwendig, außerdem eine Rahmensetzung von Seiten der Politik.

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Mein Fazit: Lt. einer Aussage von Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe / Hirnforscher laufen „Veränderungsprozesse über das, was uns emotional berührt, was einem unter die Haut geht. Dann werden neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet, es bilden sich neue Vernetzungen im Hirn. Das Gehirn entwickelt und strukturiert sich entlang der Bedeutsamkeit.“

Eine emotionale Berührtheit – das Erschrecken und die Bestürzung darüber, worauf wir zusteuern – das herrscht inzwischen bei mehr und mehr Menschen vor. Was uns fehlt,  ist eine andere Form von emotionaler Berührtheit – nämlich die Freude daran/ die Vorfreude darauf, wie eine nachhaltige Welt für jeden einzelnen von uns aussehen könnte. Mit anderen Worten: Um Veränderungen zu bewirken, brauchen wir ein neues Framing für den Begriff Nachhaltigkeit und dafür wiederum brauchen wir neue Narrative und Paradigmen…. No business as usual!

Monika Stoehr Nachhaltigkeitsmanagement Darmstadt | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Main | Nachhaltigkeitsmanagement Rhein-Neckar

Dezember  2019


Mehr zum Veranstalter / zur Veranstaltung/ zur Quelle:

https://www.ev-akademie-tutzing.de/veranstaltung/du-bist-transformation-tutzinger-transformationstagung/


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